Lesestoff
Wochenende und vergessen, ein neues Buch zu kaufen? Dann bist du hier genau richtig.
Hier findest du Beobachtungen aus dem Alltag, Gedanken über das Leben, Geschichten über Menschen, die mir begegnet sind und auch über mich selbst. Die Texte sind kurz genug für eine U-Bahn-Fahrt, aber lang genug, um noch eine Weile nachzuklingen.
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Leila
U4 Richtung Heiligenstadt Missmutig schaut Leila, als sie einsteigt. Mein Lächeln und dass ich ihr Platz mache, damit sie sich setzen kann, quittiert sie mit einem Schnaufen – ich interpretiere es als Dank. Leilas kräftige Beine stecken in burschikosen Cargoshorts. Dazu trägt sie ein Oversize-Band-Shirt der Ramones. Ihr hellgrün-gefärbtes Haar […]
Klara
U1 Richtung Oberlaa Wie ein kleiner Kobold sieht sie aus, als sie sich kurz vor der Station Südtiroler Platz neben mich stellt. Die grünen Augen blitzen schelmisch und freche Grübchen zeigen sich, wenn Klara lacht. Die roten halblangen Locken hüpfen fröhlich auf und ab, schwingen im Takt der durch den […]
Durch mich hindurch
Manchmal träume ich davon, wie es wäre, ein Geist zu sein. Ich könnte am Leben so vieler Menschen teilnehmen. Würde bei ihnen sitzen, wenn gefeiert, gekocht und gelacht wird. Könnte bei ihnen sein, wenn sie traurig sind, weil eine Beziehung in die Brüche ging oder ein geliebter Mensch sie für […]
Agnes
Linie 31 Richtung Stammersdorf Agnes ist immer schon praktisch veranlagt gewesen. Ihr Gewand wählt sie nach den Kriterien Preis und Funktionalität. An ganz verrückten Tagen schaut sie auch mal nach der Farbe. Aber wirklich nur, wenn ihr mal richtig der Schalk im Nacken sitzt. Hosen, Schuhe, Pullover und Co. sollen […]
Frida
U6 Richtung Floridsdorf Heute habe ich in der U6 Frida Kahlo getroffen. Sie steht in der Mitte des Waggons und hält sich an einem der Haltegriffe fest. Also nicht wirklich Frida, eher ihre Reinkarnation. Die Frida der Gegenwart heißt nämlich eigentlich Brigitte und ist Anwaltsgehilfin. Nicht unbedingt der Beruf, den […]
Ein Souvenir aus Venedig
Juni ist es und doch hängt dichter Nebel in der Stadt, als wollte der Herbst anklopfen. Ich spüre, wie sich die winzigen Tröpfchen auf meinem erhitzten Gesicht sammeln, ehe sie sich auflösen. Verschwinden, als wären sie nie dagewesen, aufgesogen von meiner Haut. Ich lausche auf mein pochendes Herz, während ich […]
Das Reich ohne Spiegel
Vor langer Zeit gab es ein Königreich, in dem es keine Spiegel gab. Nicht weil sie alle zerbrochen wären, nein, in diesem Reich gab es nur das, was echt war. Selbst das Wasser zeigte kein Abbild dessen, der sich über seine Oberfläche beugte. Eines Tages kam ein Händler ins Dorf. […]
Karl
U2 Richtung Karlsplatz Interessiert schaue ich auf das Jute-Sackerl mit der Aufschrift „Le grand art vit de moyens pauvre“. Auch wenn meine Schulzeit schon einige Jahre her ist, reicht mein Französisch gerade noch aus, um das Zitat ins Deutsche zu übertragen: Große Kunst lebt von einfachen Mitteln. Und welch ein […]
