Lesestoff
Wochenende und vergessen, ein neues Buch zu kaufen? Dann bist du hier genau richtig.
Hier findest du Beobachtungen aus dem Alltag, Gedanken über das Leben, Geschichten über Menschen, die mir begegnet sind und auch über mich selbst. Die Texte sind kurz genug für eine U-Bahn-Fahrt, aber lang genug, um noch eine Weile nachzuklingen.
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Karl
U2 Richtung Karlsplatz Interessiert schaue ich auf das Jute-Sackerl mit der Aufschrift „Le grand art vit de moyens pauvre“. Auch wenn meine Schulzeit schon einige Jahre her ist, reicht mein Französisch gerade noch aus, um das Zitat ins Deutsche zu übertragen: Große Kunst lebt von einfachen Mitteln. Und welch ein […]
Georg
U6 Richtung Floridsdorf Lange bevor er zu sehen ist, kann man ihn hören. Er schreit, er schimpft, er sudert, er hadert. Georg flucht und pöbelt so leidenschaftlich, als wären Beschimpfungen für ihn so notwendig wie das Atmen. Schon als ich an der Volksoper in die U6 stieg, habe ich ihn […]
Die Blumenmalerin
In einer anderen Welt, die der unseren gar nicht so unähnlich ist, verschwanden irgendwann alle Farben. Die Bewohner wussten nicht, was passiert war, aber eines Morgens wachten sie auf und plötzlich war alles grau und trist. Die Sonne war nicht mehr gelb, die Schmetterlinge nicht mehr bunt, Seen nicht mehr […]
Als meine Niere „Hallo“ sagte
So schnell kann’s gehen. Gestern noch bin ich munter durch Wien getanzt und heute liege ich in einem sterilen Zimmer, das wenig erfolgreich versucht, mit Blumenbildern und grüner Wandfarbe gegen die Tristesse anzukommen. In meiner Armbeuge steckt eine Nadel und der daran angeschlossene Tropf versorgt mich mit Schmerzmitteln, Elektrolyten, Antibiotikum […]
Mira und Eddy
Linie 41 Richtung Pötzleinsdorf In der Martinstraße sind die beiden in die Linie 41 eingestiegen und der erste Blick, den ich auf sie warf, hat mein Herz gewärmt. Eddy stieg zuerst ein, hielt sich am Haltegriff neben der Tür fest und reichte Mira die Hand, um ihr beim Einsteigen zu […]
Zeitreise mit Stern
Letzte Woche sauste ich in einer Pagode durch den sommerlichen Taunus. Für alle nicht Autoliebhaber: Ich fuhr nicht in einem mehrgeschossigen Bauwerk asiatischen Ursprungs, sondern in einem 1969er Mercedes SL, der seinen Spitznamen der Form seines abnehmbaren Hardtops verdankt. Das Wetter war traumhaft, ich spürte den Wind trotz des umgeschlungenen […]
Blick von oben, Staffel eins
Der Himmel ist blau, nur vereinzelt ziehen schneeweiße Wattewölkchen unter mir vorbei. Ich blicke aus dem Fenster und sehe den Main, wie er sich in sanften Mäandern schlängelt. Ich entdecke die alte Fabrik, in der wir unser Büro hatten, den Wald mit dem kleinen See, in dem ich so oft […]
Philipp
U6 Richtung Siebenhirten Ich sitze in der U6 und bin auf dem Rückweg vom Schwimmen. Draußen sind es 37 Grad. Um mich herum versuchen einige Frauen, sich mit Fächern zumindest einen Hauch Abkühlung zu verschaffen, und ein wenig beneide ich sie um ihre Weitsicht. Mein Fächer liegt gemütlich zuhause und […]
Wo stehst du?
Ich war diese Woche auf einer Kundgebung gegen Antisemitismus. Auf irgendeinem Social Media Kanal wurde mir die Veranstaltung vorgeschlagen, also bin ich recht kurzentschlossen hingegangen. In letzter Zeit lese ich immer häufiger und vor allem fassungslos Meldungen, in denen beiläufig erwähnt wird, dass jüdische Studenten angegriffen werden, dass Anti-Semitische Graffitis […]
