Ich frage mich oft, was wir brauchen, um erfüllt zu sein.
Ist es, einen Sinn im Leben zu sehen, den einen anderen Menschen zu finden, Dinge zu sammeln, die uns etwas bedeuten oder eine Familie zu gründen?
Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst und doch gibt es wohl keine pauschale Antwort darauf. Selbst die Glücksforschung ist sich da nicht ganz einig.
Aber während ich das schreibe, fühle ich mich tatsächlich vollkommen erfüllt, beseelt und mit allem verbunden.
Ein Tag an der Donau
Ich habe heute früh meine Wohnung verlassen und seit Stunden stromere ich an der Donau entlang. Ich gehe abseits der großen Wege, durch Schilf, Wälder und Wiesen. Nur einer Handvoll Menschen bin ich begegnet. Dafür habe ich Schwäne getroffen, meine Freundin die Ringelnatter, einen Kormoran, einen Graureiher und Rehe.
Stundenlang habe ich die sich im Wind wiegenden, bunt gefärbten Blätter angeschaut und jetzt sitze ich nackt auf einem Felsen. Über mir der blaue Himmel, vor mir der Fluss. Ich spüre, wie die Sonne die letzten Wassertropfen auf meiner Haut trocknet. Neben mir flattern zwei Zitronenfalter, auf meinem Knie sitzt eine blauschimmernde Libelle.
Melodisch rauschen die Wellen und schlagen mit leisem Klatschen auf die großen Steine am Ufer. Auf dem Wasser galoppieren die Schaumkronen wie weiße Pferde dahin, während das grüne Schilf sich im Takt hin und her wiegt.
Wie neugeboren fühle ich mich ein ums andere Mal, wenn ich aus dem kühlen, klaren Wasser der Donau emporsteige. Wäre Botticelli jetzt hier, ich bin mir ziemlich sicher, er würde seine Staffelei auspacken. Wind im Haar, Sonne im Gesicht, um mich herum das tanzende Schilf.
Nichts tun, nichts erreichen
Den ganzen Tag habe ich mit niemandem gesprochen, nichts gekauft, nichts geleistet. Ich habe mich einfach treiben lassen wie das Buchenblatt, das vor mir durch die Luft segelt. Es bestimmt nicht seinen Weg, weiß nicht, wo es landet, hat kein Ziel.
Kein Foto habe ich gemacht und jetzt ist niemand dabei, mit dem ich diese kostbaren Momente teilen kann. Und doch ist es da, ich kann es spüren. Das Glück ist in mir und um mich herum.
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Muss nirgendwohin, muss nichts tun, nichts erreichen. Nie wieder wird ein Tag so sein wie heute, nie wieder werde ich so sein wie in diesem Augenblick.
Was ist, wenn die Erfüllung darin liegt, einfach nur zu sein?
Dieser Moment will nichts sein, nichts werden. Er ist.


Auch wenn ich gestehen muss, der Gedanke in die „kühle“ Donau zu steigen fasziniert mich kaum ! Aber bei allen anderen Gedankenspielen war ich gerne dabei und habe den Weg an die Donau virtuell zurückgelegt und tatsächlich etwas innere Ruhe gefunden ! Danke für diese einfühlsamen Worte !
Es sind angenehme 16.5 Grad!
Die Bilder in diesem Text sind so eindrücklich, dass sie mich beim Lesen dir ganz nahe gebracht haben, mit Zeitverschiebung allerdings. Aber jetzt in diesem Moment, während ich auf dem Sofa sitze, im Wohnzimmer,und das Strickteug gerade aus der Hsnd gelegt habe,bin ich in Gedanken am Wasser und sehe alles, was du siehst, und sogar schwappt es über wie ein Schwall Wasser, dein Gefühl von Erfülltsein.
Und dabei ist heute noch mal ein perfekter tag für einen Donaubesuch. Weg mit dem Strickzeug und rein ins Wasser! 😉 Und ganz lieben Dank für deine wertschätzenden Kommentare! <3