Wolfsmodus

Essay Wolfsmodus über das Alleinsein von der Wiener Autorin Zesá
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Ich habe die meiste Zeit meines Lebens gedacht, ich bin eine einsame Wölfin. Ich kann nicht nur gut allein sein, nein, ich genieße es.

Unabhängigkeit, Freiheit – würde ich noch weitere Tätowierungen wollen (und ja, ganz ausgeschlossen ist das natürlich nicht …), wären das zwei Schriftzüge, die ich mir vorstellen könnte.

Ich arbeite allein, ich wohne allein, ich bereise die Welt allein. Nicht, weil ich egozentrisch wäre oder mich mit Menschen nicht verstehe, im Gegenteil. Aber sehr oft haben sie mich auch enttäuscht, mich Energie gekostet und mich allein gelassen. Sich allein zu fühlen, obwohl jemand da ist, ist schlimmer, als allein zu sein.

Ich habe einiges ausgehalten, erlebt und erlitten und ich bin nicht daran kaputtgegangen, aber es hat mich dazu gebracht, nur noch mir selbst zu vertrauen und mich auf mich zu verlassen. Zu gut erinnere ich mich an Wochen im Spital, in denen der eine Mensch, den ich gebraucht hätte, nicht da war. Andere waren wichtiger als ich. Wie ich selbst meine Wunden geleckt habe, während ich in meiner Höhle lag. Gehungert habe, weil ich zu schwach zum Jagen war. Wolfsmodus aktiviert. Überleben gesichert!

Menschen, die einfach da sind

Und dann ist irgendetwas passiert: Vielleicht ist es ein Riss in der Matrix, aber plötzlich tauchen Menschen auf, die mich sehen. Nicht das, was ich nach außen zeige, sondern das, was dahinterliegt. Das, was ich bin. Manchmal denke ich, sie sehen mehr von mir als ich selbst.

Vor allem aber erwarten sie nichts. Sie sind einfach da – und dieses „Da-sein“ fühlt sich für mich noch immer ungewohnt kostbar an. Es gibt Halt und Sicherheit. Menschen, die wichtige Momente mit mir teilen, mich auffangen, wenn ich stolpere, und mich einfach in den Arm nehmen, wenn Worte nichts besser machen.

Allein sein können, nicht müssen

Ich spüre immer noch die Wölfin. Sie ist ein Teil von mir. Nur habe ich irgendwann allein sein zu können, mit allein sein zu müssen verwechselt.

Ich verstehe jetzt, dass eine Wölfin allein im Wald zurechtkommt, ihre Beute findet, durch die Nacht streunt, den Wind im Fell spürt und sich dabei gut fühlt – aber den Mond anheulen, das macht im Rudel viel mehr Freude.

Wohoooooo!


Ich möchte mit diesem Text einfach „Danke“ sagen. An die, die da sind. Ihr wisst, dass ich euch meine.

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