Linie 31 Richtung Stammersdorf
Agnes ist immer schon praktisch veranlagt gewesen. Ihr Gewand wählt sie nach den Kriterien Preis und Funktionalität. An ganz verrückten Tagen schaut sie auch mal nach der Farbe. Aber wirklich nur, wenn ihr mal richtig der Schalk im Nacken sitzt.
Hosen, Schuhe, Pullover und Co. sollen vor allem eines: Im Winter wärmen und im Sommer vor Sonnenbrand bewahren.
Als sie am Hubertusdamm in die Bim steigt, trägt sie eine beige Outdoor-Hose. Bis zum Bauchnabel hat sie die Hose hochgezogen und mit einem Gürtel fixiert, der in einem früheren Leben Sicherheitsgurt in einem Opel Astra gewesen ist.
Dazu trägt sie schwere Arbeitsschuhe, die in einem ziemlichen Kontrast zu dem warmen Sommerwetter stehen und ein kariertes, rot-blaues Hemd, bei dem sie die Ärmel bis an die Ellbogen hochgekrempelt hat.
Fast schon wie ein verspieltes Accessoire wirkt der grün getupfte Fischerhut, der Schatten spendet und für eine regionale Versicherung wirbt.
Schon will ich Agnes zu Hilfe kommen, als sie beim Einsteigen einen offenbar schwer beladenen Einkaufstrolley hinter sich herzieht, den sie kaum reinheben kann, aber sie winkt unwirsch ab. Alles eine Frage der richtigen Hebelwirkung! Schwupps, schon steht der Trolley neben ihr und sie lächelt zufrieden.
Verwundert schaue ich sie an. Es ist Sonntag, da hat sie wohl kaum einen Großeinkauf gemacht. Tatsächlich kommt Agnes gerade vom Floridsdorfer Wasserpark. Aber natürlich nicht, weil sie schwimmen war oder gar die Sonne genossen hat. Nein, Agnes hat Steine und einen großen Topf mit echtem Donau-Gatsch gesammelt. Sie hat letzte Woche den spontanen Entschluss gefasst, im Garten des Gemeindebaus, in dem sie seit 28 Jahren wohnt, einen kleinen Teich anzulegen. Das Loch ist bereits ausgehoben, die Teichfolie hat sie aus einem weggeworfenen Planschbecken zurechtgeschnitten und sie hat im Internet recherchiert, wie sich ein gutes Teichklima schaffen lässt. Der Schlamm hat dabei eine wichtige Funktion, aber warum sollte sie viel Geld für Teichschlamm ausgeben, wenn die Alte Donau voll damit ist?
Zufrieden reibt sich Agnes die Hände. Das gesparte Geld wird sie dann für ein gutes Flascherl Wein ausgeben. Sie sieht sich schon in einem Liegestuhl an ihrem ganz persönlichen Gartenteich sitzen. Richtig entspannen lässt es sich einfach am besten nach getaner Arbeit.


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