Kopfüber

Essay Kopfüber über die Kunstszene von der Wiener Autorin Zesá
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Heute war ich bei einer Vernissage, die mich nachdenklich zurückgelassen hat. In einem Rokoko-Palais, zwischen Stuck, Spiegeln und Lüstern, wurden einige gewöhnungsbedürftige Werke präsentiert.

Bereits beim Betreten begrüßte mich über der Prunktreppe eine kopfüber hängende, dunkelbemalte Menschenfigur. Ein verstörender Kontrast zu der hellen, griechischen Statue, die im Hintergrund stand.

Beim Weitergehen stolperte ich über bemalte Barhocker, die Perücken trugen. Kann man machen. Ist amüsant. Und möglicherweise fehlt mir trotz ein paar Semestern Kunstgeschichte einfach der Intellekt, um die tiefere Botschaft dahinter zu erkennen.

Kunst will sich noch immer damit auszeichnen, dass sie schockiert und möglichst absurd ist. Je verstörender und unverständlicher, desto besser. Der Künstler möchte mit seinen Werken selbstverständlich auf gesellschaftlich relevante Themen wie Geschlechteridentifikation und Klimawandel hinweisen.

Ich finde es gut, wenn Kunst aneckt und Dinge neu denkt, nur genau das tut sie meinem Empfinden nach nicht mehr. Sie ist satt und träge geworden. Wenn Kunst nur noch innerhalb einer bestimmten Gruppe stattfindet und den „einfachen“ Menschen ausschließt, verbindet sie nicht mehr, sie festigt die Spaltung, die wir bereits haben. Sollte sie nicht Brücken bauen, um diese zu überwinden?

Kunst sollte gesellschaftliche Konformität aufbrechen und die Künstler gegen den Strom schwimmen. In der aktuellen Zeit, in der sich die ganze Welt vereinheitlicht, die Schönheit, das Verspielte und Zarte immer mehr verschwinden, würde ich mir wünschen, dass sie genau hier wieder ansetzt. Ich brauche nicht noch mehr, das mich verstört – dafür genügt ein Blick in die Nachrichten.

Ich wünsche mir Kunst, die mein Herz und meine Sinne erfreut und ganz banal schön ist. Denn Schönheit kann es gar nicht genug geben auf der Welt.

Als ich die Treppe wieder hinunterging, fiel mir die griechische Statue auf. Ich fragte mich, wer sie noch wirklich gesehen hat.

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