Wortblumen

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Manchmal kann ich das, was mich bewegt, nicht einmal in Worte fassen. Dabei sind Worte das, was mir liegt. Ich liebe es, mit ihnen zu jonglieren, sie fliegen zu lassen und damit Neues zu kreieren. Nur wenn es um das geht, was ich fühle, dann sind sie auf einmal ganz klein, schwer zu fassen und glitschig wie frisch geschlüpfte Kaulquappen.

Wie ein Fisch öffne ich den Mund, er geht auf und zu, nur die Worte, die wollen einfach nicht aus mir heraus. Sie kommen kurz nach oben, schauen in die Welt hinaus und beschließen, lieber zu bleiben. Zu gefährlich da draußen. Sie wissen nicht, was sie erwartet, und gehen kein Risiko ein. So sind es also nur sie und ich, die wissen, was ich fühle, was in mir arbeitet und was mich traurig macht.

Eigentlich gar nicht so schlecht, oder? Schließlich mögen die Worte und ich einander sehr. Und doch frage ich mich, ob sie nicht ihre Bestimmung verfehlen, wenn sie die Welt nicht entdecken. Ist es nicht ein wichtiger Teil ihres Daseins-Zwecks, dass sie gehört werden? Worte sind da, damit wir miteinander kommunizieren können. Wenn also niemand von meinen Worten erfährt, sind sie dann überhaupt wahr?

Warum aber hängen sie so an mir, diese zarten Worte? Sind sie es, die mich brauchen oder bin ich es, die sie bei sich behalten möchte? Untersage ich den Worten, hinauszugehen, weil ich Sorge habe, dass ihnen etwas Schlimmes widerfahren könnte?

Nein, ich verbiete es ihnen, weil ich Angst habe. Angst vor dem, was sie auslösen und vor dem, was ich mir selbst verboten habe: Sie können mich lebendig werden lassen. Würden meine Worte mich verlassen, dann wären meine Träume, meine Sehnsüchte und Gefühle plötzlich echt. Sie wären greifbar und damit angreifbar. Jahrelang habe ich sie gehütet und geschützt wie einen Schatz. Nur habe ich übersehen, dass gerade diese Worte gehört werden muss, weil sie sonst eingehen. Sie welken wie Blumen, die die Sonne nicht sehen.

Jetzt stehe ich hier, halte diesen Strauß in der Hand und blicke nachdenklich auf sie hinab. Sie sind nicht mehr frisch die Sehnsüchte und die Gefühle, und doch sind sie immer noch schön. Was hätte aus ihnen werden können, wenn ich sie früher heraus in die Sonne geschickt hätte?

Jetzt bleibt mir nur die Hoffnung, dass zumindest einige von ihnen noch einmal erblühen, wenn ich sie loslasse. Die Angst, dass ein Windhauch kommt, sie fort weht oder jemand eine Blüte stiehlt, der werde ich mich stellen.

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6 Kommentare zu „Wortblumen“

  1. Dein Gefühl für Sprache und Worte beeindruckt mich wirklich sehr ! Ich kann nur hoffen, dass andere Menschen deine Worte so beeindrucken wie mich 🥰🥰🥰🥰

  2. Du schreibst mit einem sehr feinen Gefühl für Sprache, Rhythmus und Atmosphäre. Deine Worte haben dabei eine leise, schöne Melodie und erzeugen sofort Bilder und Stimmungen die nachklingen.

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