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	<title>Wien Archive - Zesá writes</title>
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	<description>Texte und Geschichten für Menschen - geschrieben in Wien und überall auf der Welt</description>
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	<title>Wien Archive - Zesá writes</title>
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		<title>Leila</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zesa]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 07:50:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>U4 Richtung Heiligenstadt Missmutig schaut Leila, als sie einsteigt. Mein Lächeln und dass ich ihr Platz mache, damit sie sich setzen kann, quittiert sie mit einem Schnaufen – ich interpretiere es als Dank. Leilas kräftige Beine stecken in burschikosen Cargoshorts. [&#8230;]</p>
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>U4 Richtung Heiligenstadt</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Missmutig schaut Leila, als sie einsteigt. Mein Lächeln und dass ich ihr Platz mache, damit sie sich setzen kann, quittiert sie mit einem Schnaufen – ich interpretiere es als Dank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leilas kräftige Beine stecken in burschikosen Cargoshorts. Dazu trägt sie ein Oversize-Band-Shirt der Ramones. Ihr hellgrün-gefärbtes Haar ist an den Schläfen abrasiert und am Oberkopf mit Gel zu Stacheln geformt. Mit jeder Faser drückt sie ihre Rebellion gegen alles und jeden aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dahinterstehende Verunsicherung lässt sich bestenfalls noch an den rosafarbenen Sneakern und dem kindlich anmutenden Perlen-Armand ablesen. LEILA steht in Großbuchstaben auf den eckigen weißen Perlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um sicherzugehen, so gut wie möglich gegen die feindliche Außenwelt abgeschottet zu sein, trägt sie große Kopfhörer mit Bügeln, an denen flauschige Plüsch-Katzenohren angebracht sind. Die doch eher destruktiv anmutende Musik ist so laut, dass selbst ich sie hören kann. Mir würde das Trommelfell wegfliegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Blick bleibt an den fast schon symmetrisch angeordneten Narben hängen, die sie wie eine Auszeichnung zur Schau stellt. „Schaut her, wie hart ich bin“, flüstern sie und erst nach einer Pause klingt leise nach: „Und so verletzlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Arme verzieren die schmerzhaften Kunstwerke und auch unter den hochgerutschten Shorts sind sie auf dem linken Oberschenkel zu sehen. Wie ein Zebrastreifen, der vom Knie nach oben führt und zwei getrennte Welten miteinander verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ihre Eltern ihr die Rasierklingen weggenommen haben, hat sie einfach mit der Spitze ihres Zirkels weitergemacht. Ein Künstler ist nicht an sein Werkzeug gebunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit ein paar Woche lebt Leila jetzt in einer Wohngemeinschaft, aber bisher beißen sich die Therapeuten die Zähne an ihr aus. Sie können nicht empfinden, was Leila fühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erleichterung, dieser Frieden, der einsetzt, sobald sie sieht, wie die ersten, kleinen Blutstropfen aus den Schnitten hervorquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So satt das Rot. So schön der Kontrast zur milchweißen Haut. Allein bei dem Gedanken muss sie erleichtert seufzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich an der Landstraße aussteige, schaue ich sie noch einmal an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hoffentlich findet die kleine Künstlerin bald ein anderes Medium, um sich auszudrücken.</p>



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		<title>Georg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zesa]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 15:43:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>U6 Richtung Floridsdorf Lange bevor er zu sehen ist, kann man ihn hören. Er schreit, er schimpft, er sudert, er hadert. Georg flucht und pöbelt so leidenschaftlich, als wären Beschimpfungen für ihn so notwendig wie das Atmen. Schon als ich [&#8230;]</p>
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>U6 Richtung Floridsdorf</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-text-color has-alpha-channel-opacity has-background is-style-wide" style="background-color:#ffa700;color:#ffa700"/>



<p class="wp-block-paragraph">Lange bevor er zu sehen ist, kann man ihn hören. Er schreit, er schimpft, er sudert, er hadert. Georg flucht und pöbelt so leidenschaftlich, als wären Beschimpfungen für ihn so notwendig wie das Atmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als ich an der Volksoper in die U6 stieg, habe ich ihn durch die ganze Bahn hören können, aber erst als ich zufällig im gleichen Waggon wie Georg einen Sitzplatz gefunden habe, sah ich den Mann hinter den Beschimpfungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer so voller Inbrunst vor sich hinsudert, der muss eigentlich ein echter Wiener sein, stelle ich mit einem Schmunzeln fest. Die anderen Fahrgäste bemühen sich so gut es geht, den Lärmenden zu ignorieren, aber immer wieder pickt er sich ein neues Opfer heraus, das er dann mit besonders derben Flüchen belegt. „Wos schaust so deppat, du oide Schaßtrommel!“, giftet er eine etwa 50-jährige Frau an, die ihm beim Vorbeigehen einen kurzen Blick zugeworfen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche mich auf mein Buch zu konzentrieren, aber freue mich schon ein wenig, wenn ich endlich mein Ziel erreicht habe, und den zornigen Georg hinter mir lassen kann. Aber zu früh gefreut. An der Station Handelskai steige nicht nur ich aus, sondern auch er und natürlich geht er direkt vor mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Geh mir aus dem Weg, oides Hurenkind!“, schreit er einen Touristen an, der es wagt, auf dem Georg-Danzer-Steg stehen zu bleiben, um ein Foto zu machen. Dabei schüttelt er wütend die Faust.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hasse die Menschen“, brabbelt er und ich muss lachen, weil er mich in diesem Moment so sehr an Gargamel, den Todfeind der Schlümpfe erinnert. „In den Mistkübel sollte man sie alle stopfen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wind weht durch seine graue Mähne, während um ihn herum die Vögel zwitschern, die Sonne scheint und sich die Menschen am herrlichen Sommerwetter erfreuen. Das Leben ist gut, nur nicht zu ihm, da ist er ganz sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er geht durchs Grün, den Fluss entlang und kann doch nicht sehen, wie schön es ist. Würde er es sehen, was tatsächlich ist, sein Hass würde augenblicklich und mit einem lauten Knall verpuffen. Ganz so, als hätte jemand mit einer Nadel in einen Ballon gestochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was wäre Georg dann? Einer unter vielen. Gewöhnlich. Bedeutungslos und unsichtbar. Niemand würde ihn beachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so vollgefüllt mit seinem Hass und seiner Wut, da sehen sie ihn. Sie müssen ihn sehen! Und wenn sie ihn schon nicht sehen, dann hören sie ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn viel schlimmer, als verachtet zu sein, ist das Verblassen des eigenen Selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen schönen Tag noch“, rufe ich ihm zu, als sich an der nächsten Gabelung unsere Wege trennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Lächeln kommt über mein Gesicht, als er mir hinterherschreit. Du kannst beruhigt sein, denke ich. Ich habe dich gesehen.</p>



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		<title>Philipp</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zesa]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 07:06:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>U6 Richtung Siebenhirten Ich sitze in der U6 und bin auf dem Rückweg vom Schwimmen. Draußen sind es 37 Grad. Um mich herum versuchen einige Frauen, sich mit Fächern zumindest einen Hauch Abkühlung zu verschaffen, und ein wenig beneide ich [&#8230;]</p>
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em><strong>U6 Richtung Siebenhirten</strong></em></p>



<hr class="wp-block-separator has-text-color has-alpha-channel-opacity has-background is-style-wide" style="background-color:#ffa700;color:#ffa700"/>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sitze in der U6 und bin auf dem Rückweg vom Schwimmen. Draußen sind es 37 Grad. Um mich herum versuchen einige Frauen, sich mit Fächern zumindest einen Hauch Abkühlung zu verschaffen, und ein wenig beneide ich sie um ihre Weitsicht. Mein Fächer liegt gemütlich zuhause und leistet meinem seit Wochen nicht benötigten Regenschirm Gesellschaft. Ich bin nicht sicher, ob mir meine Haare an der Stirn kleben, weil das restliche Donauwasser noch nicht getrocknet ist, oder ob sie nass sind vom Schweiß. Ich tröste mich damit, dass auch meinen Mitpassagieren Tropfen über die geröteten Gesichter perlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Luft in der Bahn fühlt sich so dick und schwer an, als wären die anderen Fahrgäste und ich in einem überdimensionierten winterlichen Strickpullover gefangen. Und dann höre ich sie plötzlich, die klingenden Glocken des Weihnachtsmannes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Habe ich einen Hitzschlag? Irritiert blicke ich mich um und schließe dann einen Augenblick die Augen. Ich verspüre keinen Schwindel, und auch jetzt höre ich weiterhin das muntere Geklimper. Gleich würde ein Rentierschlitten in der U6 landen und Santa keinen Sack mit Geschenken über uns ausleeren, sondern eine volle Ladung eiskalten Schnees.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Ehepaar, das mir gegenüber sitzt, hat die gleichen Halluzinationen wie ich. Suchend schauen sie sich nach der Ursache des weihnachtlich anmutenden Gebimmels um, das so gar nicht zur aktuellen Hitzeperiode passen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unvermittelt beginnt die Frau neben mir, die Melodie von Jingle Bells zu summen, und automatisch wippt mein Fuß im passenden Rhythmus dazu. Offenbar breitet sich die kollektive Wahrnehmungsstörung aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Bahn an der Station Spittelau hält und sich leert, entdecke ich den Weihnachtself, der munter einen Schellenkranz in der Hand hält und ihn immer wieder schwingt. Der etwa zwölfjährige Junge sitzt in einem Rollstuhl, sein Blick ist entrückt, während seine Mutter hinter ihm steht und ihm beruhigend über den Kopf streichelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Weile beobachte ich die zwei, versuche den Blick des Jungen zu erhaschen, aber er irrt ziellos durch den Raum. Immer wieder rasselt er mit der Schelle, und dann erhellt eine unsagbare Freude sein Gesicht. Wie ein Engel steht seine Mutter hinter ihm, wacht über ihren Schatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der nächsten Station muss ich aussteigen. Ich gehe an ihnen vorbei, lächle sie an und sage mit einem Augenzwinkern: „Frohe Weihnachten!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, Entschuldigung, hat es Sie gestört?“, fragt mich die Mutter, und ich schüttle den Kopf. „Nein, es war das Schönste, was ich heute gesehen habe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, in der Bahn war es nicht so heiß, weil es Sommer ist, sondern weil bedingungslose Liebe unsere Herzen wärmt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Wien zur Weihnachtszeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zesa]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 14:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenklich]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen strömen durch die Stadt. Alles glänzt und glitzert. Ein wenig fühlt es sich so an, als wäre ganz Wien unter einer dicken Matte aus klebrig süßer Zuckerwatte versteckt. Jeder noch so verborgene Winkel ist erfüllt vom Weihnachtsduft. Es mischen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Menschen strömen durch die Stadt. Alles glänzt und glitzert. Ein wenig fühlt es sich so an, als wäre ganz Wien unter einer dicken Matte aus klebrig süßer Zuckerwatte versteckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder noch so verborgene Winkel ist erfüllt vom Weihnachtsduft. Es mischen sich die süßen Aromen von Punsch, Kipferln und frischen Maroni mit der salzig würzigen Note der Würstlstände.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unvergleichlich ist einerseits die Liebe zum Detail, der Geist der Weihnacht, das Fest der Liebe und des Lichts. Andererseits droht akute Erstickungsgefahr. Die rosig, goldene Süße fängt uns Fliegen gleich in einer klebrigen Falle, aus der es kein Entkommen gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschenmassen schieben sich durch die innere Stadt, stehen Schlange an den bekannten Kaffeehäusern und legen sogar den Straßenverkehr lahm, um das bestmögliche Foto für Instagram zu erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele der Gesichter sind dabei ausdruckslos und leer. Versteckt hinter einer perfekten Maske aus Make-up. Das bewusst gesetzte, pudrige Schimmern auf den Wangen strahlt stärker, als die teils leblos anmutenden Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Selbstbewusstsein aufgewertet durch die mit unübersehbaren Markenlogos bedruckten und bestickten Kleidungsstücke. Gekrönt von der wie eine Trophäe präsentierte Einkaufstasche von Moncler, Gucci, Louis Vuitton und Co.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ähneln sie einander oftmals so sehr, dass es schwerfällt, sie zu unterscheiden. Das gleiche Gewand, die gleichen Frisuren, die gleichen Gesichter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen sie die Stadt überhaupt wahr? Sehen sie die bezaubernd verspielte Architektur, die aus einer Zeit stammt, als der Sinn für Schönheit beim Wohnen noch wichtiger war als die reine Funktionalität? Oder ermitteln sie den Wert dieser Kulisse nur anhand von Likes, die sie dafür auf Social Media bekommen? Und wie unique kann selbst das schönste Motiv noch sein, wenn es einem doch alle gleich tun?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spüren sie den Geist längst vergangener Literaten, Philosophen und Künstler, die sich hier trafen? Epochen prägten, unvergessliche Kunstwerke erschufen und die Gesellschaft oft positiv beeinflussten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sind ihre Träume, ihre Sorgen? Für was brennt ihr Herz und vor was fürchten sie sich so sehr, dass sie sich hinter dieser glatt-polierten Fassade verstecken?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sinn der Wort geht verloren. Sie sprechen, reden, lachen, aber selbst das bleibt leer. Leidenschaftliche Liebesschwüre in Gedichtform gebannt, sind den quietschend gelben runden Gesichtern gewichen, die unsere Gefühle komödiengleich entwerten. Gebrochene Herzen erscheinen in Displays, nicht mehr im wahren Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo ist er hin, der Geist der Weihnacht? Das Gefühl, voll und ganz Mensch zu sein? Mit allem verbunden, voll Dankbarkeit für diese schöne Zeit?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hier und da ein Hoffnungsschimmer: Ein kleines Mädchen steht still, ganz gebannt vom Anblick der zwei dunkelbraunen Rösser, die den Fiaker ziehen. Der Glanz in ihren Augen, als die zwei mit lautem Hufgeklapper an ihr vorbeitraben. Durch die Nüstern dampfend den Atmen ausstoßen, der in der kalten Luft zu tanzenden kleinen Wölkchen gefriert. Tief atmet sie den erdigen Geruch der Tiere ein. Ehrlich ist er, aufrichtig und rein. Er gibt nicht vor, etwas anderes zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dort drüben direkt an der Pestsäule geht ein junger Mann zu einem der dort lagernden Obdachlosen. In der Hand eine Häferl mit Punsch und einen kleinen Kauknochen für den Hund. Bückt sich hinunter, überreicht den kostbaren Schatz. Plötzlich ist er wieder da, der Weihnachtszauber. Er ist nicht fort. Er hat sich nur verborgen. Unter dem dicken Zuckerwattenebel schlummert er und wartet, dass er von uns geweckt wird.</p>


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