Vivaldis 4 Jahreszeiten. Unvorstellbar, dass jemand diese musikalischen Meisterwerke hören kann, ohne dabei durch ein Wechselbad der Gefühle zu gehen. Ich habe einmal gehört, dass es die Engel anzieht, wenn Vivaldi gespielt wird. Eine schöne Vorstellung und fast bin ich sicher, dass sie der Wahrheit entspricht.
Vivaldi ist so vieles. Wenn ich die vier Jahreszeiten höre, entstehen Bilder in meinem Kopf. Kurze Sequenzen aus vergangenen Zeiten. Ich sehe Liebespaare, Blumenmädchen, die durch saftig grüne Wiesen tanzen, Wölfe, die durch Wälder rennen, den traurigen Moment, wenn ein Mensch sein Leben aushaucht. All das in einer Melodie. Sie pulsiert, sie schwebt, sie tanzt, donnert und dröhnt. Mal leicht, sanft und spielerisch, wie das Kitzeln einer Feder auf meiner Wange, dann tosend, ächzend, grob, archaisch stürmend, kampfbereit. Ein Lachen liegt darin verborgen wie auch tiefe Gram.
Das Zusammenspiel der reinen Klänge, die Violinen, Cembali, Oboen und Lauten, vereint in unendlicher Harmonie. Die Welt ist Klang in diesem Moment, das Leben selbst wird zur Symphonie.
Wenn ich eines Tages gehe, hoffe ich, gelebt zu haben wie diese Musik: intensiv, mit jeder Facette, nichts auslassend.
