Der Gruß des Eisvogels

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Die Natur spricht mit uns, wusstest du das? Sie schickt uns ständig kleine und auch große Zeichen, nur haben die meisten von uns verlernt, ihre Hinweise zu bemerken.

Vielleicht denkst du, es ist Zufall, wenn du im Park auf einer Bank sitzt und ein Eichhörnchen am Baum vis-à-vis die ganze Zeit über auf und abspringt. Du beachtest es nicht, wenn du traurig bist und dir plötzlich ein zarter Windhauch durchs Gesicht streift. Ignorierst es, wenn die Erde unter deinen nackten Füßen zu pulsieren scheint. Siehst den Schwan, der bedächtig und anmutig an dir vorbeischwimmt, freust dich darüber und verstehst doch nicht, dass genau das die Art Sprache ist, die die Schöpfung nutzt, um mit dir zu kommunizieren.

Am heurigen Neujahrstag hatte ich eine solche Begegnung. Und so sehr sich der rationale Teil in mir auch bemüht hat, mir nachvollziehbare Erklärungen zu liefern, spürte ich, dass diese Begegnung ganz besonders war.

Ich hatte das neue Jahr an meinem Lieblingsplatz auf der Donauinsel begrüßt. Fuhr früh am Morgen hinaus, als alle anderen sich noch von den Feierlichkeiten des Vorabends erholten. Ich meditierte, praktizierte und atmete. Genoss mit jedem Atemzug die erfrischende Winterluft, die in meine Lungen strömte und ließ mir wärmenden Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Und dann sah ich ihn: Den blaugefärbten Eisvogel, der über das Wasser glitt und im Lichtschein schimmerte wie ein Saphir. Flink wie ein Kolibri sauste er hin und her, ruhte kurz auf einem Schilfhalm und flatterte dann wieder über die Donau hinweg.

Ich beobachtete ihn eine ganze Weile. Er berührte irgendetwas in mir und zudem war es das pure Glück, ihm in seiner unbändigen Lebensfreude zuzusehen. Noch nie habe ich einen Eisvogel gesehen. Ich wusste nicht einmal, dass sie an der Donau heimisch sind.

Ein blauer Vogel! Musste der nicht extra für mich geschickt worden sein? Und doch ging mein Verstand direkt dazu über, mich eine Närrin zu schimpfen, die sich zum Jahresbeginn einfach ein verheißungsvolles Omen herbeisehnte. Wäre nicht der Eisvogel aufgetaucht, hätte ich bestimmt in der Form einer Wolke oder einem vorbeischwimmenden Fisch ein gutes Vorzeichen gesehen.

Zufrieden mit dem Tagesbeginn, beschloss ich, einen ausgedehnten Spaziergang zu machen, packte meine Sachen und verabschiedete mich von meinem gefiederten Freund. Zumindest dachte ich das. Offenbar um meine Zweifel zu zerstreuen, folgte mir der Eisvogel. Nicht ein paar Meter, nein er flog über einen Kilometer neben mir her. Flatterte ein paar Meter voraus, setzte sich nieder und wartete. Immer wenn ich dachte, jetzt ist er fort, tauchte er wieder auf, setzte sich erneut, wartete bis ich wieder bei ihm war und flog dann weiter neben mir her.

Erst als ich irgendwann die Brücke überquerte und auf die andere Seite wechselte, ist er zurückgeblieben. Aber bis dahin waren die Zweifel gewichen und ich überzeugt, dass er mir eine Botschaft hatte überbringen wollen.

Erscheint uns der Eisvogel als Krafttier, erinnert er uns daran, dass jetzt Entschlossenheit gefragt ist. Dass es Zeit ist, ein neues Projekt zu beginnen und der eigenen Intuition zu vertrauen.

Ein schöneres Zeichen kann ich mir für mein Schreiben kaum vorstellen.

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