Teil für Teil

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Die Liebe ist wie ein Puzzle. Ein fragiles Gemälde, an dem wir lange arbeiten müssen, bis es fertig ist. Ist der Bau einmal abgeschlossen, liegt es auf dem Küchentisch und bewundernd stehen wir daneben. Stolz blicken wir auf das herab, was wir geschaffen haben.

Solange es neu ist, sind wir sorgsam mit ihm. Tänzeln drum herum, achten darauf, nicht an den Tisch zu stoßen, damit es nicht zerfällt und ja kein Teil verloren geht.

Je länger es aber bei uns ist, desto mehr haben wir uns daran gewöhnt. Wir sehen es fast nicht mehr, es gehört irgendwie schon fast zum Inventar. Es ist da, es stört nicht, aber wird auch nicht beachtet. Und dann beginnt es: Ab und an geht ein Teil verloren. Mal stibitzt der eine eins, mal der andere. Besucher stecken sich vielleicht auch einmal eines der kleinen Fragmente ein und aufgrund unserer Unachtsamkeit verschwinden einzelne Teile vielleicht sogar im Staubsauger.

Die wenigsten Puzzle gehen kaputt, weil ein großer Stoß, ein Erdbeben oder ein zusammenbrechender Tisch sie mit in den Abgrund reißt. Nein. Die meisten verschwinden langsam. Teil für Teil, so dass wir es gar nicht bemerken. Doch dann kommt der Tag, an dem wir nicht mehr erkennen können, was das Bild einmal gezeigt hat.

Wir versuchen uns zu erinnern. Fragen uns, was uns an diesem unvollständigen Puzzle einmal gefallen hat. Aber verloren gegangene Puzzleteile lassen sich so gut wie nie wiederfinden.

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