Fick dich, Maybe!

4
(2)

Ich habe das Glück, dieser beneidenswerten Generation anzugehören, der alle Möglichkeiten offenstehen. Krieg und Elend kennen wir persönlich zum Glück nur aus Geschichtsunterricht und wenn wir uns in der Schule nicht zu blöd angestellt haben, steht uns eine große Kariere bevor. Für die Weltenbummler unter uns bietet sich ein Gap-Year oder auch ein Auslandssemester an. Ich persönlich habe mich damals für das faule Jahr nach dem Abi entschieden, in dem ich Australien und Neuseeland erkundet habe. Das harte Schulleben hat einen schließlich ziemlich ausgelaugt und da kam so Urlaub mit Verlängerung genau richtig. Außerdem ist so eine Selbstfindungsphase ausgesprochen wichtig, um sich darüber klar zu werden, in welche Richtung das Leben gehen soll. Und nicht zu vergessen die Tatsache, dass heutzutage ein Lebenslauf ohne nachweisbare Auslandserfahrung ohnehin direkt in Ablage P landet.

Naja, machen wir uns nichts vor, ein Jahr entspanntes Reisen, Saufen und Ficken mit internationalen Bekanntschaften ist echt eine coole Sache, aber weitergebracht hat es mich nicht. Aber wie hätte es auch? Schließlich gehöre ich zur Generation der sogenannten Maybes.

Maybe wie sich das schon anhört… Die Vielleichts. Vielleicht klicke ich auf Facebook an, wenn mich jemand zu einem Event eingeladen hat, auf das ich absolut keinen Bock habe, aber einfach zu höflich bin, um abzusagen. Was sagt das nun über uns aus? Um es auf den Punkt zu bringen, zeichnen wir Maybes uns primär dadurch aus, dass wir schon scheitern, wenn wir uns am Morgen entscheiden sollen, ob wir den roten oder den blauen Pulli anziehen. Aufgrund des reichhaltigen Angebots an Möglichkeiten sind wir schlichtweg überfordert und deshalb treffen wir der Einfachheit halber gar keine Entscheidungen mehr. Denn mit jeder getroffenen Entscheidung, verbaut man sich gleichzeitig Unmengen anderer Optionen und wer will das schon?

Jedenfalls können wir uns dem Spott und den mitleidigen Blicken der älteren und der jüngeren Generation gewiss sein. Scheint so, als wären wir die, die einfach nichts auf die Reihe bekommen. Aber hey, du stimmst mir bestimmt zu, wenn ich sage, dass keiner von denen einer Ahnung hat, wie schwer es ist, ein Maybe zu sein, oder?

Ach und wo wir gerade dabei sind, ich hoffe es ist okay für dich, dass ich dich duze. Zwar können wir keine Entscheidungen treffen, aber wenigstens wissen wir, wie Social Media funktioniert.


Anmerkung: Einer meiner uralt Texte! Musste schmunzeln, als ich ihn ausgegraben habe und finde, er kann auch heute noch gelesen werden. An Entscheidungsschwäche leider ich übrigens immer noch ab und an …

Wie hat dir dieser Text gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 4 / 5. Anzahl Bewertungen: 2

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil dir dieser Text gefallen hat ...

Folge mir in sozialen Netzwerken!

Schade, dass dir der Text nicht gefallen hat.

Hilf mir, Texte zu schreiben, die dir besser gefallen.

Was würdest du dir anders wünschen?

Nach oben scrollen